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DSTS: Dortmund flitzt und Dost knipst

Die Bundesliga 2014/15 ist auch nach dem 23. Spieltag eine seltsame Veranstaltung. Zwischen Platz 1 und 3 liegen 18 Punkte, Dortmund macht in drei Spielen sechs Plätze gut, ein Wolfsburger Fehleinkauf erzielt in drei Spielen acht Tore, Schalke vergisst vor lauter Defensive erst das Angreifen und dann das Verteidigen. Außerdem: Stuttgart setzt sich ab, Mainz bleibt Mainz – aber mit neuem Trainer, Hoffenheim steht einen Schritt vor Europa, in Hannover wirds ungemütlich und Paderborn feiert eine Niederlage. „Drei Spieltage später“ betrachtet wie gewohnt das Tagesgeschäft Bundesliga in größerem Kontext – das ist die Lage aller 18 Bundesligavereine nach dem 23. Spieltag:

Platz 1 (=): FC Bayern München (58 Pkt | SSS)

Bayern spielt nicht gut, Schweinsteiger und Alonso können nicht miteinander, Lewandowski ein Fehleinkauf – die Themen im Münchner Umfeld waren zunächst negative. Pustekuchen! 18 Tore in drei Spielen wischten das Gerede weg. Dass die beiden Chefstrategen dabei (über weite Strecken) Jobsharing betrieben und es in der Champions League nur zu einem torlosen Unentschieden gegen Donezk reichte, erfreut die Kritiker, die somit noch ein bisschen herumkritteln dürfen. Die entscheidenden Wochen jetzt bringen aber genug Gelegenheit auch dort aufzuräumen.

Platz 2 (=): VfL Wolfsburg (50 Pkt | SSS)

Die Bayern werden froh sein, dass sie acht Punkte Vorsprung haben – denn mittlerweile haben sie mit Wolfsburg eine Mannschaft im Nacken, die einen überragenden Eindruck macht. Die Wölfe eilen von Sieg zu Sieg und haben mit Bas Dost den Stürmer der Stunde in ihren Reihen. Acht Tore in drei Spielen, der Holländer knipst momentan wie er will – wird dabei aber auch überragend eingesetzt. Hinten gehts momentan dagegen etwas wilder zu, 5:4 gegen Leverkusen, 5:3 gegen Bremen heißen die folgerichtigen, spektakulären Ergebnisse. In der Euro League ist man nach 2:0 Gesamtergebnis gegen Sporting in der nächsten Runde – dort wartet Inter Mailand.

Platz 3 (+2): Borussia M’gladbach (40 Pkt | SUS)

Für Gladbach geht es nach Favoritensiegen gegen Köln (1:0) und Paderborn (2:0) sowie einem Unentschieden gegen den HSV zwei Plätze rauf. Das Aus in der Europa League gegen Sevilla ist zu verschmerzen, die Konzentration gilt nun der Sicherung der Champions League-Qualifikation sowie dem Pokal. Dort geht es gegen die Kickers Offenbach, in der Liga warten Mainz, Hannover und die Bayern.

Platz 4 (+2): Bayer 04 Leverkusen (36 Pkt | NUS)

Leverkusen spielt nach wie vor keinen Fußball, dem man das Prädikat „traumwandlerisch sicher“ verpassen könnte – aber immerhin stehen sie wieder auf dem begehrten vierten Platz. In der letzten DSTS-Ausgabe sah das noch anders aus. Grund für eine breite Brust dürfte der Werksklub aber vor allem aus dem überzeugenden 1:0-Sieg gegen Atletico Madrid in der Champions League ziehen, wo man im erwarteten Pressingduell die überzeugendere Mannschaft war – dank guter Balance. Das ist doch mal was.

Platz 5 (-2): Schalke 04 (35 Pkt | NUN)

Schalke spielt defensiv und das ist auch gut so – schrieb Torsten Wieland vom Königsblog VOR dem Derby. Doch was folgte, war eine emotionslose „Nicht-Leistung, die auf dem königsblauen Planeten einst hätte dazu führen können, den Trainer und den Manager ad hoc zu entlassen“. Das 0:3 ist eine herbe Niederlage, schwerer jedoch wiegt die Chancenflut (31!) der Dortmunder, die das Ergebnis auch empfindlich höher hätte gestalten können müssen. Dass die Königsblauen nach vorne wenig bis nichts zu Stande brachten, kommt noch dazu. So befindet sich der Klub einmal mehr in einer fußballerischen Identitätskrise. Egal ob offensiv, defensiv, konstruktiv, destruktiv, Dreier-, Vierer- oder Fünferkette: Punkte müssen her oder das System wird unweigerlich in Frage gestellt. Gegen Hoffenheim, Hertha und Leverkusen warten intensive Duelle – wie wird di Matteo sie angehen?

Platz 6 (-2): FC Augsburg (35 Pkt | NUN)

 

2:3 gegen Bremen, 2:2 gegen Leverkusen mit Last-Minute-Torwart-Tor und 0:1 gegen Hertha durch eine Unkonzentriertheit kurz vor Schluss – für die Augsburger Überflieger gabs es zuletzt wenig Punkte. Entsprechend verliert man zwei Plätze, die man gegen Wolfsburg, Mainz und Freiburg aber wieder gutmachen will. Punkte sind jedenfalls angeraten, denn:

Platz 7 (=): 1899 Hoffenheim (33 Pkt | SUS)

Hoffenheim drückt. Nach drei Niederlagen zum Rückrundenstart gehts im Kraichgau wieder aufwärts. Auch wenn der Tabellenplatz der alte bleibt, ist man nun in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen. Nach dem Pokalspiel gegen Aalen kann man im direkten Duell gegen Schalke 04 den Sprung nach oben machen. Danach kommen Hamburg und Paderborn.

Platz 8 (+1): Eintracht Frankfurt (31 Pkt | SNS)

1:0 auf Schalke, 1:3 gegen Mainz und 2:1 gegen Hamburg – Eintracht Frankfurt bleibt wankelmütig, aber darin stabil. Den Begriff „Wundertüte“ haben wir wiederholt im Zusammenhang mit Schaafs Frankfurtern verwendet – auch Eintracht Inside (die vor allem das Coaching von Schaaf (Wechsel?) kritisieren und sich über wiedergefundene Kombinationen freuen) fragen sich, was nun am nächsten Spieltag wieder ansteht …

Platz 9 (-1): SV Werder Bremen (30 Pkt | SUN)

Vier Punkte aus den Duellen gegen Augsburg, Schalke und Wolfsburg – vor nicht allzu langer Zeit wäre das schwer vorstellbar gewesen. Doch Skripniks Mannschaft strotzt mittlerweile nur so vor Selbstvertrauen, dass man sich fragt, ob anfang der Saison der schlechte Zwilling mancher Spieler auf dem Platz stand. Das 3:5 gegen Wolfsburg war ein gutes Beispiel für die Bremer Gegenwart: Frech, offensiv, keineswegs fehlerfrei, aber immer aufopferungsvoll kämpfend. So kann es weiter gehen – Bremen macht Spaß!

Platz 10 (+6): Borussia Dortmund (28 Pkt | SSS)

 

19 Spieltage musste der gemeine Fan warten bis das passierte, mit dem man jeden einzelnen Spieltag gerechnet hatte: Dortmund startete eine Serie – mit zunehmender Überzeugung, die im famosen 3:0-Derbysieg gegen Schalke gipfelte. Platz 10 und sieben Punkte hinter den internationalen Plätzen klingt recht freundlich – mit den kommenden Gegnern Hamburg, Köln und Hannover ist ein weiterer Sprung nach oben nicht ausgeschlossen. In der Champions League sieht die Sache nach einem 1:2 in Turin enger aus, aber ebenso machbar. Dortmund ist wieder auf dem Weg nach oben.

Platz 11 (-1): Hannover 96 (27 Pkt | NUU)

Auch gegen Paderborn, Köln und Stuttgart blieb Hannover der erste Sieg im neuen Jahr verwehrt – und jetzt gehts gegen Bayern, Gladbach und Dortmund. In Niedersachsen werden schon mal die Alarmglocken für einen möglichen baldigen Einsatz entstaubt. Es wird ungemütlich.

Platz 12 (+1): 1.FSV Mainz 05 (25 Pkt | NSN)

 

Trainerwechsel! Nach dem 2:4 gegen Dortmund nahm Manager Heidel eine Kurskorrektur vor und beurlaubte Trainer Hjulmand. Der Däne sei ein guter Trainer, aber nicht der richtige im Abstiegskampf. Die Entscheidung mutet untypisch für Mainz an – doch mit Nachfolger Martin Schmidt fühlt sich der FSV schon wieder mehr nach Karnevalsverein an. Der konnte auch prompt einen Sieg gegen Eintracht Frankfurt liefern und auch die Niederlage gegen Hoffenheim ließ Positives erkennen. Gladbach, Augsburg und Dortmund heißen die nächsten Gegner. Schwere Aufgaben, die mit Schmidtscher Energie an der Seitenlinie angegangen werden.

Platz 13 (=): 1.FC Köln (25 Pkt | NUN)

Gegen Bayern sah man trotz 1:4 phasenweise sehr gut aus. Gab trotzdem keinen Punkt, weshalb die Luft nach unten wieder etwas dünner geworden ist. Mehr Erkenntnisse gab es nicht. Jetzt steht erstmal das Pokalspiel gegen Freiburg an, dann gehts in der Liga gegen Frankfurt, Dortmund und Bremen weiter.

Platz 14 (=): Hertha BSC (24 Pkt | NNS)

Nach dem 2:0 gegen Mainz unter Neu-Trainer Pal Dardai setzte es für die Hertha eine sehr empfindliche Niederlage gegen den SC Freiburg. Ein 1:2 gegen Wolfsburg spannte die Lage in der Hauptstadt weiter an. Dann kam Augsburg nach Berlin – es folgte der erste Heimsieg seit 77 Tagen. Befreiung – und doch nur ein erster Schritt zum Klassenerhalt. Die nächsten sollen gegen Stuttgart, Schalke und Hamburg folgen. Wichtige Duelle, besonders gegen die direkte Konkurrenz.

Platz 15 (-3): Hamburger SV (24 Pkt | NUN)

Das Duell mit dem Rekordmeister ging in mittlerweile gewohnter Größenordnung verloren, 0:8. Das 1:1 gegen Gladbach war eine gute Reaktion, die Niederlage gegen Frankfurt mangelnder Effizienz geschuldet, da wäre mehr drin gewesen. Egal wie: Es geht wieder drei Plätze herunter – mit Dortmund, Hoffenheim und Hertha warten schwierige Gegner. Spannend ist die Frage nach dem Status der Führungskräfte (?) Westermann und van der Vaart, die Trainer Zinnbauer zuletzt auf die Bank setzte. Ergebnisse brachte das bekanntlich aber auch nicht …

Platz 16 (-1): SC Paderborn (23 Pkt | SNN)

Dass man gegen Bayern und Gladbach nicht viel holen wird, war abzusehen – und umso wichtiger der Sieg gegen Hannover. Dennoch ist Paderborn mittlerweile auf dem Relegationsplatz angekommen Mit Leverkusen, Frankfurt und Hoffenheim warten Klubs aus der oberen Tabellenhälfte. Der Abstiegskampf wird lang und zäh für den Bundesliganeuling. Abseits dessen bleibt eine Frage: Warum feiert Paderborn nach einer Niederlage?

Platz 17 (=): SC Freiburg (22 Pkt | SUN)

Mit vier Punkten aus drei Spielen ist der SCF sowas wie der Gewinner im Tabellenkeller – auch wenn man nach wie vor unter dem Strich steht. Den zarten Rückenwind hat man nötig, denn die nächsten Gegner heißen: Bremen, Wolfsburg und Augsburg. Davor kommt noch der 1.FC Köln in den Breisgau – Pokalabend und Abwechslung vom Liga-Alltag.

Platz 18 (=): VfB Stuttgart (19 Pkt | NNU)

Vier torlose Spiele gab es zuletzt – das konnte man in den letzten Partien ändern. Die Punktausbeute wurde trotzdem nicht besser. Gegen Hoffenheim (1:2) und Dortmund (2:3) ging man leer aus, in Hannover reichte es immerhin zu einem Punkt. Dennoch ist das zu wenig, der VfB setzt sich langsam aber sicher am Tabellenende ab. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Das Duell am kommenden Wochenende gegen Hertha BSC dürfte ein ernster Wegweiser werden. Es steht zu befürchten, dass die Bundesliga-Saison 2014/15 vorerst die letzte für die Schwaben ist …

 

Bild: Dirk Vorderstraße [CC BY 3.0]

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