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Ein Augsburger Juwel

Die zweite Saisonhälfte ist erst drei Spieltage alt – doch Augsburg bestätigt bereits eindrucksvoll die starke Hinrunde. Die positive Überraschung der Saison besticht durch eine Mischung aus Erfahrung und Jugend, vor allem aber durch ihren Teamspirit. Trainer Markus Weinzierl hat aus Spielern wie Daniel Baier, Halil Altintop, Paul Verhaegh und Dominik Kohr eine Mannschaft geformt, die selbst beim großen bayerischen Bruder aus München Anerkennung findet. So viel, dass sie ihr Edel-Talent Pierre-Emile Højbjerg nach Augsburg zwecks Weiterbildung verliehen. Inmitten des Höhenfluges ist auch ein anderer junger Akteur auf dem besten Weg, sich einen großen Namen zu machen. Nach der Hinrunde hatte er ligaweit die höchste Tacklingrate (4,8 pro Spiel) und kommt durchschnittlich auf 2,9 abgefangene Bälle, 3,5 Klärungen und 1,4 Dribblings pro Partie – was ihn zu einem integralen Bestandteil der Augsburger Erfolgself macht. Allerdings verbrachte er die Winterpause und die ersten Rückrundenspiele beim Afrika-Cup. Dort gab er gegen Südafrika die entscheidende Vorlage zum Überstehen der Gruppenphase – und erst im Finale musste er sich mit Ghana durch ein dramatisches Elfmeterschießen der Elfenbeinküste geschlagen geben. Augsburg wird sich freuen ihren Vize-Afrikameister bald wieder auf dem Platz zu haben; dort stand er in der Hinrunde in jeder einzelnen Partie.

Dürfen wir vorstellen: Abdul Rahman Baba.

Von Afrika nach Europa

Baba, Jahrgang 1994, begann mit dem Fußballspielen in Ghanas dritter Liga – doch seine hervorstechenden Leistungen für den Dreams FC überzeugten 2011 den Erstligisten Asante Kotoko, die ihn für ein Jahr ausliehen. Obwohl gerade erst 17 geworden, überzeugte er regelmäßig mit guten Leistungen, sodass er für die Auszeichnung „Entdeckung des Jahres“ nominiert wurde. Die Auszeichnung gewann er zwar nicht, jedoch war seine Name fortan fester Bestandteil der Notizblöcke zahlreicher europäischer Scouts und wurde von dort aus in Vereine wie Arsenal oder Manchester City getragen. Den Zuschlag bekam aber Greuther Fürth, die ihn 2012 mit einem Fünfjahresvertrag an sich banden. „Das ist ein sehr freundlicher Verein und ideal für einen jungen Spieler wie mich.“, sagte Baba damals. „Ich möchte mich hier entwickeln und in Europa durchsetzen.“ Eine Entscheidung, die sich vollends ausgezahlt hat.

Doch danach sah es zunächst nicht aus – das Debüt ging ordentlich in die Hose: Im Pokalspiel gegen die Kickers Offenbach (0:2) wurde Baba eingewechselt, bevor er dreißig Minuten später glatt Rot sah. Im Laufe der Saison konnte er sich dennoch ein Stammplatz erobern und war wohl einer der besseren Fürther, die trotzdem am Ende den bitteren Gang zurück in Liga zwei antreten mussten. Allen Angeboten zum Trotz blieb der 18jährige Baba dem Kleeblatt treu, der direkte Wiederaufstieg war das Ziel. Am Ende wurde man Dritter, doch in der Relegation setzte sich der HSV dank Auswärtstorregel durch. Derselbe HSV war dann an Babas persönlichem Aufstieg nicht ganz unschuldig: Durch die Verpflichtung von Matthias Ostrzolek verwaiste die linke Defensivseite des FC Augsburg, die sich ihrerseits nun in Fürth bedienten und für den talentierten Ghanaer zwei Millionen überwiesen. Dieser verabschiedete sich standesgemäß: mit zwei Toren im Derby gegen Nürnberg.

 

Beim FCA bekam er sofort das Vertrauen geschenkt, lieferte bereits am 2. Spieltag gegen Dortmund zwei mustergültige Vorlagen und kam bis zur Abreise gen Afrika-Cup in jedem Ligaspiel zum Einsatz. Apropos Afrika-Cup: Der Kapitän der U20-Nationalmannschaft Ghanas, die 2013 Dritter bei der U20-WM in der Türkei wurde, ist mittlerweile fester Bestandteil der A-Nationalmannschaft und hat sich links hinten festgespielt. „Er ist ein kompletter Linksverteidiger, der durch exzellente Technik und aggressive Vorstöße überzeugt“, urteilte der Abschlussreport der FIFA zur U20-WM 2013. Auch seine Leistungen beim Afrika-Cup standen unter steter Beobachtung – der AS Rom, Chelsea und Real Madrid gelten als mögliche Interessenten. Welch eindrucksvoller Aufstieg des jungen Mannes aus Tamale.

Ein Außenverteidiger moderner Prägung

„Es sieht aus, als hätte er die Fähigkeit ein Top-Linksverteidiger zu werden und womöglich ist er als Wingback sogar noch besser geeignet.“, stellte Bayerns Stratege Xabi Alonso vergangenen November bewundernd fest. Auch in den eigenen Reihen wird nicht mit Lob für den ghanaischen Jungstar gegeizt, der sich wohl zu einem der besten Außenverteidiger der Liga aufgeschwungen hat. „Er hat uns überzeugt und erfreut, nicht nur mit seinen sportlichen Qualitäten, sondern auch, dass er sehr gut in unser Team passt.“, sagte Manager Stefan Reuter. „Er ist ein junger Spieler, der Entwicklungspotenzial besitzt und der sich in der Bundesliga beweisen möchte.“ Trainer Markus Weinziel ergänzt weiter: „Baba Rahman ist ein junger und hart arbeitender Spieler, der unserem Spiel eine neue Dimension verleiht.“

Gesegnet mit hoher Dynamik und außergewöhnlicher Energie, die bei seinen kraftvollen Offensivläufen zur Geltung kommen, stellt er eine stete Gefahr für den Gegner dar. Rahman Baba hat sich schnell akklimatisiert und zählt zu den spannendsten modernen Abwehrtalenten der Bundesliga – und wird bereits mit Größen wie Ricardo Rodriguez, David Alaba und Gareth Bale verglichen.

 

Baba, der auch offensiv auf dem Flügel einsetzt werden kann, ist extrem effizient im Umschaltmoment und weiß gute Flanken zu schlagen. Davon macht er häufig Gebrauch, 47 Flanken sind der zweithöchste Wert der Liga. Vier Vorlagen stehen bislang zu Buche – laut Xabi Alonso könnte die Zahl jedoch höher sein: „Um ehrlich zu sein, sollte er einige Assists mehr haben, aber manchmal hat der Abschluss seiner Mannschaftskollegen das verhindert.“ Am zweiten Spieltag jedoch funktionierte dieser: Obwohl man 2:3 gegen Dortmund verlor, wurden beide Augsburger Tore vom jungen Linksverteidiger vorbereitet.

Von Natur aus eher schmal gebaut, sind es seine schnellen Beine und seine Reaktionsfähigkeit, die ihn zu einer Waffe im Umschaltmoment machen. Hier fängt er seine Gegner ab und leitet mit entfesselter Dynamik und Pässen aus der tiefe den Gegenangriff ein. In dieser Hinsicht ist Baba die Blaupause eines modernen Außenverteidigers. Doch er hat auch Schwächen: Sein Stellungsspiel und das Verhalten im defensiven Umschaltmoment bieten dem Gegner noch zu oft Raum für Konter. Und auch wenn er jetzt schon ein konstanter Defensivzweikämpfer ist, würde ihm die ein oder andere Einheit im Kraftraum sicher nicht schaden.

Analysiert man Augsburgs Angriffe in dieser Saison, stellt man fest, dass knapp die Hälfte über Babas linke Seite kommen – Kennzeichen der Rolle, die er spielt. Mit seinem aggressiven Aufrücken öffnet er hinter sich den Raum für die zentrale Figur des Augsburger Spiels, Daniel Baier. Darüber hinaus hat er bei Dribblings eine Erfolgsquote von 80% und gehört in dieser Hinsicht zur Liga-Spitze. Seine Passquote hingegen beträgt nur rund 66% – ein Hinweis auf seine direkte Spielweise, aber auch auf weiteres Steigerungspotenzial. Die technischen Fähigkeiten dazu bringt er allemal mit. Ohne Zweifel hat Baba das Zeug dem steilen Aufstieg von Ricardo Rodriguez nachzueifern: Der Wolfsburger machte vor zwei Jahren seine ersten Schritte in der Bundesliga und wird heute massiv von europäischen Topklubs umworben.

Eine große Zukunft?

 

Sein großes Ziel, der erste Gewinn des Afrika-Cups mit Ghana seit 30 Jahren, endete mit einer bitteren Niederlage im Elfmeterschießen. Ungewöhnlich offensiv hatte er seinem Land vor dem Turnier die Favoritenrolle zugesprochen, die doch sonst so gerne weggeschoben wird: „Ghana ist Favorit! In den letzten dreißig Jahren hat es nicht geklappt mit dem Titel, aber wir hoffen und glauben, dass es dieses Mal besser läuft.“ Forsche Worte, die zeigen, welches große Selbstbewusstsein der sonst so ruhige und zurückhaltende Rahman Baba besitzt. Er ist auf dem Weg einer der größten Fußballer Ghanas, vielleicht ganz Afrikas, zu werden und wird Kraft aus der bitteren Niederlage von Bata schöpfen. Der Afrika-Cup 2015 war sein erstes Turnier, ganz sicher aber nicht sein letztes.

Auch wenn gute Linksverteidiger rar gesät sind – die 37 Millionen, die Manchester United für Luke Shaw bezahlte, belegen dies – zeigt sich Abdul Rahman Baba allen Avancen namhafter Klubs gegenüber unbeeindruckt und konzentriert sich weiter auf seine Entwicklung als Spieler in der Fuggerstadt. „Ich spiele für Augsburg und Ende.“, sagte Baba, nachdem er mit dem AS Rom in Verbindung gebracht wurde. Doch wie lange noch? Borussia Dortmund, Atletico Madrid und der AC Mailand beobachten seine Entwicklung sehr genau, und es gibt Gerüchte, denen zufolge Real Madrid ihn als möglichen Marcelo-Nachfolger sieht. Kann er seine phänomenale Form dauerhaft bestätigen, scheint es nur eine Frage der Zeit, bis ein großer Klub ihn aus seinem bis 2019 laufenden Vertrag herauskaufen wird. Der FCA wird irgendwann eine Nummer zu klein sein – und eine mögliche Teilnahme am Europapokal nur ein weiteres Schaufenster, in dem sich ihr Juwel für größere Aufgaben präsentieren kann.

 

Interessante Links und Daten zu Abdul Rahman Baba:

2 Gedanken zu „Ein Augsburger Juwel

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