Verpasste Chance? Ein Rückblick auf Bastian Schweinsteigers Zeit in Manchester

Am 13. Juli 2015 gab Manchester United die Verpflichtung von Bastian Schweinsteiger bekannt. Dies war in Sachen Transfersumme – 9 Millionen Euro – eine relativ unspektakuläre Verpflichtung, allerdings gab es rund ums Old Trafford das Gefühl, dass United ein echtes Schnäppchen ergattert hatte. Natürlich hatte der Spieler nicht mehr das Hoch seiner Karriere, allerdings leitete er noch ein Jahr zuvor das Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft im Finale der Weltmeisterschaft. Kurz gesagt, die Fans von United waren begeistert.

Um zu verstehen, wie sich die Fans von Manchester United bei der Ankunft Schweinsteigers gefühlt haben, muss man einen Blick auf die jüngere Geschichte des Vereins werfen. Trotz tollem und anhaltendem Erfolg unter Sir Alex Ferguson glaubten viele Fans des Clubs, dass der kämpferische Mittelfeldmotor und ehemaliger Kapitän Roy Keane, der 2005 den Verein verließ, nie wirklich vernünftig ersetzt wurde. Ein Jahrzehnt später und nach einer Periode, in der das Team mehrere Ligatitel gewinnen konnte, fühlten sich die Fans von United so, als ob sie endlich jemanden gefunden hatten, der den kämpferischen Keane ersetzen konnte.

United brauchte einen Mittelfeldchef

Schweinsteiger und Keane hatten nicht exakt die gleichen Fähigkeiten, obwohl sie sich in vielen Aspekten ähnelten. Erstgenannter hatte ein besseres Passspiel, während Keane ein wenig hartnäckiger war. Allerdings waren es die Führungsspielerqualitäten, die sie in den Augen der Fans und Mitspieler ausmachten. Diese Männer waren dafür geboren, Kapitän eines Fußballteams zu sein.

Führung wird im Fußball manchmal missverstanden. Wenn es um einen Box-to-Box Mittelfeldspieler geht, ist das Lesen des Spiels sehr wichtig. So, wie ein begabter Wettspieler die Karten beim Blackjack in einem Online Casino liest, hatten Keane und Schweinsteiger die Fähigkeit, genau zu wissen, wann sie den Pass spielen, sich drehen oder abbrechen mussten. Sie verstanden, wie man das Tempo des Spiels verschnellert, wann man den Gegner bestrafen und wann man seine Energie sparen musste.

Probleme mit Mourinho

Natürlich waren die United-Fans nie in der Lage, diese Qualitäten von Schweinsteiger zu sehen. Genau genommen sahen sie ihn kaum. Er spielte nur in 35 Spielen in fast zwei Saisons, bevor er endlich den Verein verlassen und sich Chicago Fire im Jahr 2017 anschließen konnte. Viele dieser Einsätze waren als Einwechselspieler und viele der Spiele waren relativ unbedeutende Ligaspiele. In seiner zweiten Saison spielte er kein einziges Spiel in der Premier League.

Schweinsteiger hatte mit einigen Verletzungen zu kämpfen, doch es gab auch ein Problem mit Jose Mourinho, der als Trainer nach Schweinsteigers erster Saison eingestellt wurde. Irgendwas viel eindeutig aus der Reihe, als Mourinho den Deutschen zum Training der Jugendmannschaft schickte. Kein Spieler ist so groß wie ein Verein, doch diese Aktion wurde als Respektlosigkeit gegenüber einem erfahrenen Spieler angesehen, der so viel erreicht hatte.

Es war vermutlich unausweichlich, dass Schweinsteiger es nicht lange unter Mourinho aushalten würde. Doch die Fans fühlen immer noch etwas Wehmut, wenn sie daran denken, dass sie „Schweini“ nie in Bestform sehen konnten. Ein paar Jahre nach seinem Abgang suchen die United-Fans immer noch nach einem Mittelfeldstrategen, der Roy Keane ersetzen kann. Für einen kurzen Moment dachten sie, dass sie den richtigen Mann dafür hätten.

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