Neuer oder ter Stegen: Wer ist der bessere Torwart?

Zwei Ausnahmetalente im Tor: Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen gelten nicht ohne Grund als Deutschlands beste Keeper. Große Erfolge feierten sie beide, und doch besitzen sie einen ganz unterschiedlichen Stil und sehr verschiedene Biografien. Wer von beiden der bessere Torwart ist, diese Frage wird derzeit heiß diskutiert. Wir liefern eine Fuhre Gesprächsstoff.

Manuel Neuer: der Keeper-Revolutionär

Zuerst zu Manuel Neuer, der in diesem Jahr seinen 33. Geburtstag gefeiert hat und aus diesem Blickwinkel schon fast zum alten Eisen der Fußballwelt zählt. Seine Wurzeln hat der Keeper-VIP beim FC Schalke 04, die Mannschaft, mit der er im Jahr 2011 den DFB-Pokal abräumte. Eine breite Mehrheit aller Fußballfans dürfte sich darüber einig sein, dass Neuer einer der besten Torhüter aller Zeiten ist – wenn nicht sogar der Beste. Außerdem gilt er als wahrer Revolutionär auf seinem Gebiet, denn er interpretiert seinen Job auf eine erstaunlich offensive Weise. Damit geht er zwar ein gewisses Risiko ein, doch durch sein spezielles Talent hält sich dies in engen Grenzen. Viermal wurde Neuer schon zum Welttorhüter gekürt und zweimal durfte er sich Deutschlands Fußballer des Jahres nennen – so beeindruckend agiert dieser Keeper auf dem Platz.

Neuer bei Bayern München und in der Nationalelf

Kein Wunder also, dass es ihn schon vor Jahren zum deutschen Rekordmeister Bayern München verschlagen hat, denn dieser Verein ist zugleich enorm finanzstark und höchst prestigeträchtig. Im Jahr 2017 hat man ihm die Position des Mannschaftskapitäns übertragen, ein Status, den wirklich nur die Besten der Besten erreichen. Im nationalen Bereich ist der FC Bayern München wieder einmal der heißeste Kandidat für das Meister-Double. Fans und Experten stimmen in diesem Punkt sicherlich überein. Ob vielleicht Leipzig oder Dortmund den Bayern noch gefährlich werden können, hängt davon ab, ob diese beiden Vereine in der nächsten Zeit einen langen Atem aufweisen: Das letzte Duell zwischen Leipzig und dem FC Bayern scheint uns eine recht ausgewogene Saison zu versprechen. Aber am Ende lachen sich meistens die Bayern doch ins Fäustchen! Mit seinem derzeitigen Team gelang Neuer 2013 sogar das berühmt-berüchtigte Triple: Er wurde in nur einem Jahr DFB-Pokalsieger, deutscher Fußballmeister und UEFA-Championsleague-Champion. 2014 folgte dann in Brasilien der Weltmeistertitel, allerdings diesmal mit der deutschen Nationalmannschaft, dessen Kapitän Neuer 2016 wurde. Eine Karriere wie ein Shooting-Star! Wie lässt sich das noch übertrumpfen?

Marc-André ter Stegen: der Herausforderer

Marc-André ter Stegen ist ganze 6 Jahre jünger als Manuel Neuer, also auf der Höhe seiner sportlichen Leistungskraft. Er wuchs sozusagen bei Borussia Mönchengladbach auf, wo er ab 1996 das Tor hütete wie kaum ein anderer. 2009 kam sein erster Profivertrag bei den Borussen zustande. Im selben Jahr als Neuer zu Bayern München wechselte, also 2011, gab ter Stegen sein Debüt in der Bundesliga und schlug sich dabei derart gut, dass er die restliche Saison über im Tor blieb. 2014/15 verließ er seinen Stammverein und wechselte zum spanischen Lokal-Matador FC Barcelona. In der ersten Saison musste ter Stegen sich bei den Spaniern noch mit der zweiten Keeper-Position zufriedengeben, doch das hatte schnell ein Ende. Die Mannschaft meisterte mit ihm gemeinsam den begehrten Triple aus Landesmeisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Triumph – ein Wahnsinnserfolg, der an Kollege Neuer erinnert. Die Beförderung zum Stammtorwart für sämtliche Wettbewerbe erfolgte im Sommer 2016, als Konkurrent Bravo das Feld räumte.

In der deutschen Nationalmannschaft hatte ter Stegen einen eher holprigen Start, doch im Gedächtnis blieb vor allem der FIFA-Konföderations-Pokal des Jahres 2017. Sein Anteil am Gewinn dieses Turnieres ist alles andere als gering, auch im Finale gegen Chile bewährte er sich bestens. In den folgenden Freundschaftsspielen und Test-Duellen des Nationalteams ersetzte er Manuel Neuer, der seinen Fuß erst wieder auf Vordermann bringen musste.

Seine Statistik sieht bis heute reichlich rosig aus, obwohl er erst seit ungefähr 2 Jahren wirklich regelmäßige Einsätze hat: Seit Anfang 2017 hat er 14 seiner insgesamt 22 Länderspiele bestritten. Die Statistik ist ter Stegen unbestreitbar hold: Ihm gelang es, 69 % aller Bälle abzuwehren, die Kurs auf sein Tor nahmen – ein enorm hoher Wert. Nur ungefähr alle 78 Minuten schaffte es das runde Leder in sein Netz, der Rest musste draußen bleiben. Was hat Neuer dagegen zu bieten?

Achtung: Neuer schießt zurück!

Manuel Neuer ist natürlich deutlich erfahrener als sein Kollege ter Stegen. Er ist dem jungen Mann nicht nur 6 Jahre voraus, sondern er kam auch in seiner Jugend schneller in Fahrt. In 38 von insgesamt 90 Länderspielen gelang es der gegnerischen Mannschaft nicht, den Ball in Neuers Tor zu platzieren. Diese Duelle gingen zu null aus. Pro Partie bei all diesen 90 Spielen kommt der Keeper statistisch gesehen nicht einmal auf ein ganzes Gegentor. Das heißt konkret: 82 Mal musste Neuer das Leder widerwillig passieren lassen. Ihm gelingt es, 74 % aller Bälle, die sein Tor aufs Korn nehmen, abzuwehren – und das konstant über seine Profi-Karriere hinweg. Die meisten Torhüter schaffen diesen Coup nicht einmal für die Länge einer einzigen, besonders starken Saison.

Neuer

Photo by Steindy (Author), GNU-Lizenz für freie Dokumentation (Licence)

Die Statistik spricht derzeit also noch für Manuel Neuer als besten deutschen Torhüter. Doch ter Stegen hat in den letzten zwei Jahren gut aufgeholt, vielleicht setzt er demnächst zum Überholvorgang an.

In Zusammenarbeit mit Alejandro Quintana
Titelbild: by flooy (Author), Pixbabay Licence

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