Die Fragen für Joachim Löw vor der WM 2018

Die Fußball-WM 2018 steht unmittelbar vor der Tür und am 15. Mai nominiert Bundestrainer Joachim Löw seinen vorläufigen Kader für das Turnier. Dabei sind durchaus Überraschungen möglich, wenn man sich die Verletztensituation einiger wertvoller Kadermitglieder anschaut. Wir werfen zusammen einen Blick auf die Fragen, die sich Joachim Löw vor der WM 2018 stellen und fragen uns, ob er diese rechtzeitig lösen kann.

Neuer-Verletzung sorgt für Sorgenfalten

Als der FC Bayern zuletzt sein Champions League Halbfinale gegen Real Madrid in der Allianz Arena austrug, war auch der Bundestrainer vor Ort. Im TV-Interview zur Halbzeitpause beantwortete Joachim Löw Fragen zum Spiel sowie zur kommenden Weltmeisterschaft. Hier stellte sich dem Anlass entsprechend vor allem jene nach Torhüter Manuel Neuer und dessen Genesungsprozess. Löw zeigte sich sehr optimistisch und ließ verlauten, dass er davon ausgehe, mit seinem Kapitän für Russland zu planen. Dieser betonte nunmehr in einem Interview, dass er vor allem noch ein wenig Spielpraxis benötige, um sich wirklich bereit für die Weltmeisterschaft zu fühlen. Neuer unterstreicht beim kicker, dass es vor allem medizinische Fragen sind, die entscheiden:

„Der Austausch zwischen den Medizinern und mir ist sehr gut, sodass ich den Ärzten und Physios vertrauen kann. Bis jetzt läuft es sehr gut. Wichtig für mich ist, dass die Diskussionen mich nicht aus der Ruhe bringen. Ich muss für mich, die Mannschaft und die Fußball-Republik die richtige Entscheidung treffen.“

Sein Klubtrainer Jupp Heynckes unterstrich, dass Neuer im Liga- sowie Pokalfinale gegen Stuttgart respektive Frankfurt für ihn keine Option darstelle. Ob zwei Test-Länderspiele vor der WM dann ausreichen, bleibt abzuwarten. Die Alternative steht in Barcelonas Stammtorwart Marc-Andre ter Stegen bereit. Fraglich bliebe danach allenfalls die Frage nach dem Ersatz. Während Bernd Leno und Kevin Trapp die logischen und wahrscheinlichen Optionen sind, wurde auch Sven Ulreich immer wieder ins Rennen geworfen, könnte sich durch seinen Fehler im Madrid-Rückspiel jedoch den entscheidenden Minuspunkt eingehandelt haben.

Auch Jerome Boateng muss hoffen

Neben Manuel Neuer hat sich ein zweiter Bayern-Akteur bis Saisonende verletzt, sodass auch hier Sorge um seine Leistungsfähigkeit bei der Weltmeisterschaft besteht. Die Rede ist von Jerome Boateng, der im Klub jedoch von Youngster Niklas Süle erstklassig vertreten wurde. Dies könnte er neben Mats Hummels auch in der Nationalmannschaft tun und damit für ein eingespieltes Innenverteidiger-Duo sorgen. Auch deshalb sind die Sorgenfalten von Löw auf dieser Position sicher etwas geringer, als sie es ohne die Entwicklung Süles wären. Rechts muss Joshua Kimmich nach wie vor seine Defensivqualitäten verbessern, um eines Tages das Niveau eines Philipp Lahm zu erreichen. Offensiv hat er ihn mit viel Vorwärtsdrang und Durchschlagskraft längst abgehängt. Zwei Tore im Halbfinale gegen Madrid und 13 Assists in der Bundesliga sprechen eine deutliche Sprache. Auf der linken Seite gibt Jonas Hector auch nach dem Abstieg seines 1. FC Köln den Ton an. Er soll dabei helfen, die Quoten auf einen deutschen WM-Sieg zu erhöhen. Schon im letzten Sommer konnte er jubeln, als das DFB-Team den Confederations Cup im Gastgeberland der WM eroberte. Als Ersatzspieler sind von einem weiteren Links- sowie Innenverteidiger auszugehen. Die besten Chancen besitzt Herthas Marvin Plattenhardt, der im Gegensatz zu Philipp Max bereits unter Löw aktiv war. Antonio Rüdiger ist zudem einer der Lieblingsschüler des Bundestrainers und könnte sich am Ende gegen Weltmeister Shkodran Mustafi durchsetzen. Eher Außenseiterchancen besitzt Mönchengladbachs Matthias Ginter.

Viel Auswahl im Mittelfeld

Im Mittelfeld besitzt Löw unterdessen die Qual der Wahl. Lediglich Kerem Demirbay fällt für die WM aus, wäre aber nach derzeitigem Stand ohnehin nur schwer an einen Kaderplatz gekommen. Sami Khedira und Toni Kroos sind gesetzt und bilden gemeinsam das defensive Mittelfeld. Auch Mesut Özil wird wieder bei einem großen Turnier dabei sein, sofern seine aktuelle Verletzung nicht doch schlimmer als gedacht ist. Mit Leon Goretzka hat sich eine junge Alternative etabliert, die vor allem beim Confed Cup und in der Schalker Hinrunde mit tollen Leistungen überzeugte. Bald spielt Goretzka in München, weshalb er sich schon einmal an große Wettbewerbe gewöhnen darf. Sebastian Rudy ist es dank seiner Vielseitigkeit allemal zuzutrauen, dass er nach Russland mitfahren darf, selbst wenn seine Spielzeit in München nicht den eigenen Vorstellungen entsprach. Emre Can ist eine weitere gute Alternative, fällt jedoch derzeit mit Rückenproblemen aus. Wenn er es bis Mitte Juni in Topform schafft, ist er ein wertvoller Spieler, der von der Bank noch einmal für physische Impulse sorgen kann. Beide allerdings könnten von Ilkay Gündogan überholt werden. Der zentrale Mittelfeldmann von Manchester City hat nach langen Verletzungspausen endlich eine Saison zu Ende spielen können und ist deshalb ebenfalls eine tolle Variante, die durch technische Beschlagenheit glänzt. Dass Löw den 27-jährigen mag, ist kein Geheimnis. Genau deshalb könnte er sich im finalen Aufgebot wiederfinden. Eine der Hauptfragen stellte sich zuletzt nach Mario Götze. Der Dortmunder spielt im Verein mittlerweile in zurückgezogener Rolle, wenn man ihn mit dem Götze von 2014 vergleicht. Ob hier allerdings ein Platz in Löws Mannschaft frei ist, darf bezweifelt werden. Zu stark sind die Konkurrenten und deren Form über einen längeren Zeitraum.

Abteilung Attacke mit Fragen zum Ersatzpersonal

Ganz vorne ist die Sache eindeutig: Timo Werner ist gesetzt, gesucht wird nach einem Einwechselspieler, der einige andere Eigenschaften als Werners Geschwindigkeit einbringen kann. Hier kommen die Routiniers Mario Gomez und Sandro Wagner ins Spiel, die beide gut die Bälle festmachen und nur wenige Chancen für ein Tor benötigen. Für Stuttgart und die Bayern waren beide Akteure gut unterwegs und erzielten zudem die nötige Anzahl an Toren, um sich für Russland zu empfehlen. Dies wollte auch Confed Cup Siegtorschütze Lars Stindl, doch der Gladbacher verletzte sich entscheidend und muss für die Weltmeisterschaft leider passen. Rechts ist Thomas Müller alternativlos gesetzt. Es ist eine Stellung, die er sich über Jahre voller zuverlässiger Leistungen erarbeitete und immer wieder untermauert. Seine jeweils fünf Tore bei den letzten beiden Weltmeisterschaften sprechen Bände. Links spielt Julian Draxler trotz einer durchwachsenen Saison bei Paris SG. Doch der Ex-Schalker und -Wolfsburger hat sich weiterentwickelt und greift mit gewachsenen Führungsansprüchen neu an. Gesucht wird deshalb nach Alternativen auf dem Flügel. Marco Reus ist nach vielen verpassten Turnieren eine logische Wahl, fügte sich in Dortmund im Anschluss an seine Genesung fast nahtlos wieder ein. Um den anderen Platz streiten sich letzten Endes wohl Leroy Sané und Julian Brandt. Beide spielten gute Saisons für ihre jeweiligen Vereine Manchester City sowie Bayer Leverkusen und hätten sich eine Teilnahme grundsätzlich verdient. Die internationale Erfahrung, die Sané sammeln durfte, könnte letztlich für ihn sprechen, doch auch ein Ausscheidungswettkampf im Trainingslager ist nicht auszuschließen.

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